Selbtswirksamkeit


Selbstwirksamkeit ist die innere Zuversicht: „Ich kann etwas bewirken – auch wenn es schwer ist.“ Beim traumatherapeutischen Bogenschießen wird diese Erfahrung Schritt für Schritt im Körper, im Nervensystem und im Erleben verankert.

Was Selbstwirksamkeit bedeutet

Der Psychologe Albert Bandura beschreibt Selbstwirksamkeit als Überzeugung, eine bestimmte Aufgabe erfolgreich bewältigen zu können – nicht allgemein „gut“ zu sein, sondern konkret wirksam handeln zu können. Diese innere Haltung beeinflusst, welche Ziele Menschen sich setzen, wie sie mit Rückschlägen umgehen und ob sie dranbleiben, wenn es schwierig wird.

Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit nehmen Herausforderungen eher an und deuten Fehler als Lernchancen, während ein schwaches Selbstwirksamkeitserleben oft mit Stress, Rückzug und einem erhöhten Risiko für psychische Belastungen verbunden ist. Gerade nach belastenden oder traumatischen Erfahrungen kann das Gefühl „Ich habe keine Kontrolle mehr“ sehr dominant werden – hier wird Selbstwirksamkeit zu einem zentralen Schutz- und Heilungsfaktor.

Selbstwirksamkeit und Trauma

Traumatische Erfahrungen können das Gefühl tiefer Ohnmacht hinterlassen: Etwas Schlimmes ist passiert, ohne dass man sich schützen oder handeln konnte. Viele Betroffene erleben ihren Körper dann nicht mehr als sicheren Ort und reagieren mit Übererregung, innerer Taubheit oder dem Gefühl, „wie ferngesteuert“ zu sein.

In der traumasensiblen Arbeit geht es deshalb nicht zuerst um „Leistung“, sondern um Sicherheit, Regulation und das vorsichtige Wiedergewinnen von Einflussmöglichkeiten im eigenen Erleben. Wenn Menschen lernen, ihre Reaktionen besser zu verstehen, kleine Entscheidungen zu treffen und sich schrittweise neue Handlungsspielräume zu erobern, wächst nach und nach wieder das Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Wie Bogenschießen Selbstwirksamkeit stärkt

Bogenschießen verbindet körperliche Aktivität, Konzentration und einen klaren äußeren Rahmen – genau diese Kombination kann das Erleben von Selbstwirksamkeit spürbar unterstützen. Der Prozess vom Aufspannen des Bogens über das Ausrichten bis hin zum Lösen des Pfeils macht unmittelbar sichtbar: „Mein Tun hat eine Wirkung. Ich sehe, wo der Pfeil landet.“

Erfahrungsorientierte und naturbasierte Methoden zeigen, dass solche körperlich eingebetteten Erfahrungen Selbstvertrauen, Emotionsregulation und Resilienz fördern können. Teilnehmende berichten häufig von gesteigerter Konzentration, innerer Ruhe und dem Gefühl, sich Herausforderungen wieder eher gewachsen zu fühlen – zentrale Aspekte von Selbstwirksamkeit.

Vier Quellen der Selbstwirksamkeit am Bogen

Bandura beschreibt vier zentrale Quellen der Selbstwirksamkeit: eigene Bewältigungserfahrungen, Vorbilder, Ermutigung und den Umgang mit Körperempfindungen. Im Setting des therapeutischen bzw. meditativen Bogenschießens lassen sich alle vier sehr fein dosiert ansprechen:

  • Bewältigungserfahrungen: Jeder gelungene Schuss, jede kleine Verbesserung in Haltung oder Atmung wird bewusst wahrgenommen – nicht als Perfektion, sondern als „Das habe ich geschafft.“
  • Soziales Modelllernen: Das Beobachten von Trainer:innen oder anderen Teilnehmenden, die ruhig, achtsam und sicher schießen, bietet erlebte Vorbilder dafür, wie ein regulierter Umgang mit Herausforderung aussehen kann.
  • Ermutigung und Feedback: Feinfühlige Rückmeldungen („Du darfst dir Zeit lassen“, „Du hast eben sehr gut geatmet“) stärken das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und erlauben neue Experimente.
  • Körperliche und emotionale Signale: Durch die Wahrnehmung von Muskelspannung, Atem und Herzschlag lernen Menschen, die Signale ihres Nervensystems besser zu lesen und zu regulieren – ein wichtiger Baustein von Selbstwirksamkeit im Alltag.

Vom Zielbild zur Lebenspraxis

Was am Bogen geübt wird, ist mehr als „Technik“: Es ist ein überschaubares, sicheres Übungsfeld für Haltungen, die später im Alltag wieder auftauchen dürfen. Wer beim Schießen lernt, innezuhalten, sich auszurichten, den eigenen Rhythmus zu finden und mit Fehlschüssen freundlich umzugehen, kann diese Erfahrungen auf zwischenmenschliche Situationen, berufliche Herausforderungen oder innere Konflikte übertragen.

So wird Selbstwirksamkeit nicht nur ein theoretisches Konzept, sondern eine körperlich verankerte Erfahrung: „Ich kann mich wahrnehmen, Entscheidungen treffen und Schritt für Schritt meinen Weg gestalten.“ Therapeutisches und meditatives Bogenschießen bietet damit einen sanften, aber kraftvollen Weg, dieses Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten wieder wachsen zu lassen.


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